Okay, also ich muss das mal irgendwo loswerden. Ich habe letzte Woche zum ersten Mal seit Jahren wieder eine ganze Staffel einer Serie an einem Wochenende durchgeschaut. Es war diese neue Mystery-Serie, die alle gerade gucken. Jetzt fühle ich mich total komisch – einerseits war es ein richtig intensives, fast schon hypnotisches Erlebnis, und die Geschichte hat mich total gepackt. Andererseits habe ich das Gefühl, den ganzen Inhalt einfach nur verschlungen und gar nicht richtig verdaut zu haben. Geht es noch jemandem so, dass man hinterher fast ein bisschen leer dasitzt?
Ich kenne das Gefühl gut. Nach einem ganzen Wochenende beim Binge schauen einer Serie zu versinken fühlt sich an wie ein Abschied von einer Welt. Die Intensität bleibt lange spürbar und daneben dieses seltsame Loch im Brustkorb.
Vielleicht liegt es daran wie Geschichten unseren Nervenkasten austricksen. Wenn am Ende jeder Folge eine Frage offen bleibt setzt das Gehirn Erwartungen frei und der Rhythmus des Konsums wird zur Gewohnheit statt zur Erkenntnis. Nach dem Binge schauen braucht man Zeit zum Sortieren.
Vielleicht verwechselst du das Ganze falsch und meinst damit etwas anderes als andere. Es geht dir eigentlich um Ruhe doch der Binge schaut hält dich in der Welt fest und du fragst dich was davon wirklich wichtig ist.
Ich bleibe skeptisch. Vielleicht ist das ja nur Marketing Druck den man spürt, wer weiß ob das wirklich an dir liegt?
Eine andere Perspektive könnte sein dass Binge schauen ein Rhythmusbruch im Alltag ist. Vielleicht geht es weniger darum eine klare Antwort zu finden als darum zu spüren wie sich Pause anfühlt und wie man danach wieder zu sich selbst findet.