Manchmal frage ich mich, ob ich zu viel nachdenke. Neulich habe ich eine alte Freundin im Supermarkt getroffen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Wir haben nur kurz geplaudert, aber seitdem grübele ich darüber, ob ich unhöflich wirkte, weil ich das Gespräch schnell beendet habe. Ich hatte einfach nur Einkaufstüten in den Händen und war im Stress. Jetzt kann ich nicht aufhören, mir Vorwürfe zu machen, dass ich nicht freundlicher war. Geht es anderen auch so, dass sie solche alltäglichen Begegnungen stundenlang im Kopf wälzen?
Ja das kenne ich auch. Das nachdenken macht aus einer kurzen Begegnung manchmal eine lange Geschichte. Mir geht es oft so dass ich mir Vorwürfe mache obwohl der Moment stressig war.
Vielleicht ist es eher ein Reflex wenn der Kopf voll ist. Wir werten das Gespräch nachträglich wie eine Messung aus und ziehen daraus eine Deutung über unsere Freundlichkeit. Das ist ein Muster das sich lohnt zu beobachten.
Ich frage mich ob es wirklich so viel mit Unhöflichkeit zu tun hat oder ob unser Gehirn einfach Erklärungen braucht damit der Stress weniger wird Nachdenken darüber hilft vielleicht.
Statt zu prüfen ob man unhöflich war könnte man das Treffen als flüchtige Begegnung ansehen und einfach nachdenken wie viel Bedeutung man ihm tatsächlich geben will.
Manchmal reicht es schon den nächsten Moment zu beobachten statt ihn festzuhalten nachdenken lässt sich auch loslassen.
Vielleicht lohnt es sich über Perfektionismus nachzudenken und zu fragen ob wir allen Begegnungen eine perfekte Haltung abverlangen.