Manchmal frage ich mich, ob ich zu viel nachdenke, bevor ich überhaupt anfange. Ich sitze vor der leeren Leinwand und habe dieses eine, klare Bild im Kopf – eine verlassene Bahnstation im Morgennebel, ganz in dieser melancholischen Stimmung des magischen Realismus. Aber dann kommt sofort diese Angst, es nicht richtig hinzubekommen, die Stimmung zu versauen. Ich ende damit, dass ich stundenlang nur die Farben auf der Palette anrühre, aber keinen einzigen Pinselstrich wage. Geht das nur mir so, dass die Idee im Kopf schon perfekt ist und das Problem erst beim Umsetzen beginnt?
Es klingt als trägst du eine stille Mischung aus Sehnsucht und Angst in dir. Der Gedanke an die verlassene Bahnstation im Morgennebel hat schon genug Stimmungslicht und doch kommt der Druck zu verhindern dass es schiefgeht. Vielleicht ist der erste Schritt nicht der perfekte Pinselstrich sondern der Mut ihn zu setzen. Magischer Realismus lebt oft vom kleinen unsicheren Start und vom Raum danach.
Wenn der Kopf das Bild schon zu perfekt malt bleibt die Hand wie fremd. Versuche es anders herum erst mit einer groben Skizze in Linien und lasse die Farben arbeiten ohne zu bewerten wie es später aussieht.
Vielleicht ist das Problem weniger dein Pinsel als die Idee von einer fertigen Szene von Anfang an. Wer sagt dass der Nebel nicht doch noch Bedeutung beim Umsetzen findet?
Vielleicht ist der Anfang keine Beleg fuer Können sondern eine Einladung auszuprobieren was passiert wenn man den Plan loslässt.
Was ist schon richtig wenn der erste Strich die Richtung bestimmt und nicht die fertige Genauigkeit.
Mach drei kurze Studien in drei Farbtönen und schiebe den Druck aus dem Kopf bevor du entscheidest.