Ich habe letzte Woche bei einem Projekt mitgeholfen, bei dem Kleidung an Familien in einem Stadtteil verteilt wurde, der als eher wohlhabend gilt. Dabei ist mir etwas aufgefallen, was mich seitdem nicht loslässt. Die Menschen, die kamen, wirkten alle sehr ordentlich und man sah ihnen die Not auf den ersten Blick überhaupt nicht an. Ich hatte irgendwie ein ganz anderes Bild im Kopf und frage mich jetzt, ob wir die soziale Ungleichheit oft nur dort vermuten, wo sie für uns sichtbar ist.
Es trifft mich weil ich Ungleichheit anders erwartet hatte, doch hier sah man niemanden der Not sofort zeigt.
Vielleicht ist Wohlstand eine Maske die man aufsetzt um sich besser zu fühlen und man übersieht die leisen Risse im System.
Unsichtbare Armut ist ein Konzept das mir neu vorkommt und das hier durchs Raster schlüpft.
Manche sagen solche Aktionen adressieren Ungleichheit aber ich frage mich ob das überhaupt funktioniert wenn man am Straßenrand die Gesichter liest?
Vielleicht sollten wir den Begriff der Ungleichheit neu fassen und nicht nur dort suchen wo es sichtbar erscheint.