Was bedeuten heute kleine höflichkeitsgesten in der bahn wirklich?
#1
Ich habe letzte Woche in der Bahn etwas erlebt, was mich nicht mehr loslässt. Ein älterer Herr hat seinen Sitzplatz einer jungen Frau angeboten, die sichtbar erschöpft wirkte, aber sie hat ihn recht schroff abgewiesen. Die Stimmung war danach richtig unangenehm. Ich frage mich seitdem, ob solche kleinen Gestalten der Höflichkeit heute noch ihren Platz haben oder ob sie manchmal einfach falsch ankommen. Irgendwie hat mich die Situation nachdenklich gemacht.
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#2
Das trifft mich auch. Die Szene bleibt mir im Kopf weil eine einfache Geste der Nähe plötzlich zu einer Zwickmühle wird. Der ältere Mann bot höflich seinen Sitz an und die Reaktion der Frau war schroff, danach lag eine schwere Stille im Wagen. Solche kleinen Gesten wirken heute wie gewichtige Zeichen die leicht missverstanden werden.
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#3
Es könnte daran liegen dass Höflichkeit heute oft fragmentiert wirkt. Ein Angebot wird nicht mehr als einfache Hilfe gesehen sondern als Kontrolle oder Pflichtgefühl. Der Moment hängt stark vom Blick der anderen ab und das macht ihn schwer steuerbar.
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#4
Vielleicht missversteht die Szene die Absicht. Die Frau mag erschöpft gewesen sein und die Geste als Bevormundung empfinden, obwohl es dem Mann um eine einfache Hilfsbereitschaft ging. Was, wenn dahinter mehr Misstrauen steckt als Freundlichkeit?
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#5
Vielleicht lohnt es sich den Blick zu verlegen und an das Setting zu denken statt an einzelne Absichten. In Zügen geht es eher um flüchtige Erwartungen im Shared Space als um einzelne Gesten. Vielleicht klingt die eigentliche Frage dann anders wie viel Nähe lässt der öffentliche Raum wirklich zu?
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