Ich habe in meinem Studium der Politikwissenschaft immer angenommen, dass rationale Interessen die treibende Kraft hinter politischen Entscheidungen sind. Aber in meinem aktuellen Praktikum beobachte ich, wie stark eigentlich persönliche Netzwerke und informelle Absprachen den Prozess prägen. Das wirft für mich die Frage auf, inwieweit unsere theoretischen Modelle diese soziale Dimension der Macht wirklich abbilden können. Ich frage mich, ob ich etwas Grundlegendes übersehen habe.
Es fühlt sich an wie eine chaotische Bühne, auf der persönliche Netzwerke viel stärker entscheiden als Lehrbücher vermuten lassen und das frustriert mich enorm.
Rationale Modelle gehen oft davon aus dass Akteure Kosten und Nutzen abwägen, doch Netzwerke verschieben die Kostenstrukturen und ändern Prioritäten, sodass formale Anreize nicht mehr eindeutig wirken.
Vielleicht verstehe ich es falsch und Netzwerke sind eher Begleiterscheinung als Ursache, doch in der Praxis bleibt die Wirkung dieselbe.
Was bleibt von rationalen Modellen, wenn Netzwerke die Entscheidungswege diktieren?
Vielleicht ist Macht eher ein Feld denn eine Reihe fester Ziele und in diesem Feld zählen Zugehörigkeiten, Reputation und informelle Absprachen als Spielsteine.
Es ist spannend wie die Theorie ruckelt wenn man die Praxis sieht und man entdeckt dass das Thema sich nicht in eine klare Antwort fassen lässt.