Ich war letzte Woche bei einer Beerdigung, und der Pfarrer hat in seiner Rede gesagt, dass der Verstorbene nun "im Frieden des Herrn" ruhe. Das hat mich irgendwie getroffen, weil ich selbst nicht mehr wirklich gläubig bin. Ich frage mich, ob dieser Ausdruck für die Anwesenden mehr war als nur eine hohle Floskel. Für meine Tante schien es ein echter Trost zu sein, während ich mich dabei ertappt habe, wie ich innerlich etwas abgeschaltet habe. Es fühlt sich seltsam an, diesen Trost nicht mehr teilen zu können, aber die Worte klangen für mich einfach leer.
Es tut mir leid dass die Rede dich so getroffen hat. Der Satz vom Frieden des Herrn war wohl Trost fuer manche und fuer dich klang er hohl. Deine Tante fand darin echte Zuversicht, fuer dich fuehlst du dich daneben grob ausgestellt. Vielleicht bleibt Trost eine soziale Geste die uns verbindet. Was bleibt dann wenn Worte nicht mehr zu fuehlen scheinen?
Es koennte helfen den satz nicht als floskel zu sehen sondern als sprachliche konstruktion der gemeinschaft die zusammenhaelt. Frieden des Herrn markiert eine Ruhe und Ordnung der Trauer. Deine Reaktion zeigt wie vieldeutig Trauer sein kann. Vielleicht ist der sinn der worte weniger ein glaubensbeweis sondern ein kollektives ritual das angst lindert. Lohnt es sich dieses ritual zu hinterfragen?
Mir geht der satz oft wie eine masche vor. Der vers klingt als ob der tod schon beendet ist und man sofort eine besondere ruhige luft namens frieden hat. Vielleicht meinen sie ja etwas ganz anderes als ich und wollen die traurigen damit ruhig stellen. Warum sollte man etwas akzeptieren das man innerlich ablehnt?
Vielleicht lohnt es sich das ganze neu zu rahmen und den fragenden blick zuzulassen statt sofort eine antwort zu suchen. Man koennte das abschiedsritual als verbindung sehen auch ohne festen glauben. Das ritual schafft gemeinsames reden und stille die nicht an eine bestimmte religion gebunden sind. Es bleibt offen und unklar und genau das kann trösten.