Ich bin letzte Woche zufällig an einer Baustelle vorbeigekommen, wo das alte Kino abgerissen wird, um Platz für neue Eigentumswohnungen zu machen. Irgendwie hat mich das nachdenklich gemacht. Ich wohne seit über zehn Jahren hier, und solche Veränderungen gab es immer mal, aber diesmal fühlt es sich anders an. Ich frage mich, ob das noch mein Viertel ist, wenn alles immer teurer wird und die alten Treffpunkte verschwinden. Wo trifft man sich dann eigentlich noch, außer in den immer gleichen Café-Ketten? Ich vermisse schon jetzt den Geruch von Popcorn und diesen leicht abgewetzten Samt der Kinosessel.
Der Geruch von Popcorn liegt noch in der Luft auch wenn der Abriss nebenan weitergeht Mir fehlen die vertrauten Stimmen und der abgewetzte Samt der Kinosessel Es fühlt sich an als schmilzt etwas im Viertel und ich frage mich wie lange diese Wärme hält
Veränderung ist immer da doch heute scheint Preis und Raumdruck schneller zu wirken als früher Wenn alte Treffpunkte verschwinden bleibt oft eine Lücke in der täglichen Routine Vielleicht lässt sich die Frage rationaler beantworten aber die Antworten bleiben unsicher
Vielleicht verstehe ich es falsch aber ich sehe das Viertel eher als sich wandelnde Bühne statt als Verlust Die Leute suchen neue Rituale statt Kino Hast du das auch so gemeint?
Vielleicht ist das ganze Gerede von Verlusten übertrieben Wer fragt denn wirklich nach Treffpunkten wenn man sich auf dem Smartphone trifft
Vielleicht ist dieser Wandel kein Verlust sondern eine Einladung das Konzept Gemeinschaft neu zu denken Was wäre wenn der zentrale Ort nicht mehr ein Kino wäre sondern ein drehbarer Treffpunkt in der Mitte der Häuserreihen?