Ich habe letzte Woche mit meinem Sohn gesprochen, der gerade sein Abitur macht. Er hat mir ganz selbstverständlich erzählt, dass er und seine Freunde sich vorstellen könnten, in Zukunft in einer digitalen Parallelgesellschaft zu leben, abseits von dem, was wir als "real" bezeichnen. Das hat mich irgendwie getroffen. Ich frage mich, ob das nur eine jugendliche Fantasie ist oder ob wir wirklich an einem Punkt sind, an dem so etwas denkbar wird. Für mich klingt das nach einer ziemlich einsamen Vorstellung, aber vielleicht übersehe ich auch einfach einen Reiz, den sie sehen.
Es trifft mich, wenn Eltern hören dass ihr Sohn sich eine digitale Parallelgesellschaft vorstellt. Die Vorstellung klingt isolierend und gleichzeitig nah, weil in Chats und virtuellen Welten oft Zugehörigkeit zu finden ist, die im realen Alltag schwer zu finden ist.
Vielleicht ist das nicht so sehr eine Flucht ins Neuland sondern eine Beschreibung eines Trends. Digitale Räume kompensieren Unsicherheit, Druck und Freundschaftsdefizite. Die Frage bleibt ob diese Räume die reale Welt ersetzen oder ergänzen.
Vielleicht meinen sie eher eine neue Art von Freundeskreis in Spielen oder Virtual Reality nicht eine echte Abschottung. Die Idee wirkt wie eine Metapher für Zugehörigkeit nicht für Abschied.
Was wenn real und digital längst ineinander greifen und der Eindruck einer geteilten Welt nur eine temporäre Trennung ist?
Vielleicht ist das nur eine Modeerscheinung der Zeit oder eine Reaktion auf Druck und nicht der Beginn einer neuen Lebensform. Wer weiß.
Vielleicht wird Zeit als Ressource neu gedacht und Räume als Identitäten, die sich verschieben lassen, sodass ein Abiturjahrgang plötzlich zwei Höhlen hat.