Ich war letztens mit Freunden essen und habe bemerkt, dass ich fast automatisch mein Handy gezückt habe, um das Essen zu fotografieren, bevor ich überhaupt den ersten Bissen genommen habe. Das hat mich irgendwie nachdenklich gemacht. Ich frage mich, ob diese ständige Dokumentation eigentlich den echten Moment für mich kaputt macht. Andererseits freue ich mich später immer, die Bilder zu haben. Geht das noch jemandem so, dass man manchmal das Gefühl hat, mehr durch die Linse zu leben als im Hier und Jetzt?
Ich kenne dieses unbewusste Handy vor dem ersten Biss und merke wie der Moment am Tisch sich davon entfernt Die Dokumentation fühlt sich an wie ein zweites Ich das sagt mach das Foto jetzt ess erst mal Später merkt man oft die verpasste Wärme des ersten Bisses
Aus psychologischer Sicht wirkt die Kamera als externes Gedächtnis und formt unsere Aufmerksamkeit. Wir schielen auf die Linse statt auf das Gegenüber und die Ereignisse bekommen eine Status Nachricht statt eines sinnlichen Erlebens. Das ist eine Form von Erwartungssteuerung durch Bilder
Vielleicht verstehst du das ganze falsch und siehst es als Kunstprojekt statt als alltägliche Gewohnheit Die Frage wird zu einem Stilwerk in dem du die Szene schon filmst auch wenn niemand eine gute Aufnahme will Manchmal ist die Idee wichtiger als der Geschmack des Essens
Ich bleibe skeptisch Die ständige Dokumentation kann eine Flucht vor dem Unbequemen sein statt vor dem Genuss Wer sagt dass Bilder den Moment besser machen und wer sagt dass sie ihn ruinieren müssen Ist es vielleicht nur Gewohnheit?
Neue Perspektive Hyperpräsenz ich nenne es mal so könnte bedeuten dass der Blick lauter wird als der Geschmack Vielleicht irrt man sich aber auch und in dem Griff der Kamera liegt eine neue Art von Aufmerksamkeit die man nicht verflüchtigen möchte Ohne das Ganze zu definieren öffnet sich hier ein kleines Feld das man langsam erforschen kann
Was wäre wenn das Foto am Ende nur Erinnerungenrahmen ist und du den Abend später wieder abrufst ohne ihn wirklich zu leben?