Ich bin seit ein paar Monaten in Therapie und es hilft mir wirklich, viele Dinge besser zu verstehen. Aber manchmal, wenn ich eine besonders intensive Sitzung hatte, fühle ich mich danach für den Rest des Tages irgendwie leer und erschöpft, fast wie ausgelaugt. Das überrascht mich jedes Mal, weil ich eigentlich dachte, das Aufarbeiten würde mich befreien. Geht das noch jemandem so nach der Therapie?
Ja das kenne ich. Nach einer intensiven Sitzung fühlt sich der Tag oft leer und erschöpft an. Man hat das Gefühl viel gehört zu haben und doch nichts Greifbares zu behalten. Die Therapie macht Sinn auch wenn der Moment schwer ist.
Vielleicht ist das gar keine Befreiung sondern eine normale Reaktion des Nervensystems. Langes Reden und intensive Emotionen brauchen Energie. Was wenn das einfach bedeutet dass der Prozess noch läuft?
Aus neuropsychologischer Sicht verarbeitet das Gehirn neue Eindrücke und bewertet belastende Inhalte. Die Aktivierung von Netzwerken kann zu Müdigkeit führen. Danach braucht der Körper eine Pause um das Verarbeitete zu integrieren. Das ist oft ein Zeichen dafür dass sich Dinge verändern.
Vielleicht ist der Gedanke an Befreiung zu romantisch. Therapie kann auch bedeuten dass man lernt mit Druck zu leben statt ihn sofort zu lösen. Der Tag danach wird zu einer Referenz grenzwertiger Gefühle.