Ich stecke gerade in einer seltsamen Phase mit meinem Malprojekt fest. Eigentlich wollte ich nur ein schnelles Aquarell als Studie anfertigen, aber jetzt habe ich stundenlang an diesem einen Blatt herumgekritzelt und es ist zu einer Art obsessiver Musterarbeit geworden. Irgendwie fühlt es sich nicht mehr nach dem lockeren Sketch an, den ich mir vorgenommen hatte, sondern nach etwas ganz anderem, fast schon meditativ. Ich frage mich, ob ich einfach aufhören und zum nächsten Blatt übergehen sollte, oder ob in diesem Herumkritzeln vielleicht doch etwas Wertvolles steckt, das ich weiterverfolgen könnte. Es fühlt sich gleichzeitig verschwendet und irgendwie notwendig an.
Dieses Blatt scheint zu atmen und ich frage mich warum das Kritzeln sich so lange hinzieht. Es fühlt sich an als würde ein innerer Rhythmus die Szene übernehmen und der lockere Plan von einem schnellen Aquarell verschoben sich in eine Meditation aus Linien. Vielleicht ist das ja wertvoller als ein flüchtiger Sketch und ich lasse mich davon tragen. Soll ich jetzt gehen oder noch eine Spur ziehen und sehen wo sie hinführt?
Der drucklose Fluss des Kritzeln zeigt sich oft als ein Muster im Muster. Es kann mehr verraten als ein Zielbild und erinnert daran dass Forschung im Atelier auch Langsamkeit braucht. Vielleicht geht es um Wahrnehmung statt um Perfektion und darum wie Linien Geschichten tragen. Wie viel vom Wert entsteht durch Geduld und wie viel durch Zufall?
Du willst schnelle Ergebnisse aber das Kritzeln hat dich eingefangen wie eine Spirale aus Gewohnheit. Vielleicht ist es nur dein Blick der sich festsetzt und du nennst es Tiefe. Oder ist das nur Selbsthypnose?
Was wenn dieser endlose Strichfluss eher eine Übung im Denken ist als ein fertiges Bild? Vielleicht verschiebt sich die Aufmerksamkeit von Ist zu Prozess und aus dem Kritzeln wird eine Sprachprobe der Hand.
Vielleicht ist Geduld hier der Trick und der nächste Schritt wartet schon auf dem nächsten Blatt.