Ich habe letzte Woche mit meinem Nachbarn gesprochen, der vor einigen Jahren aus der Ostukraine geflohen ist. Er hat mir von seiner Heimatstadt erzählt, die jetzt fast leer steht, und von den Menschen, die geblieben sind. Seitdem frage ich mich, wie es wohl sein muss, in einer solchen Situation jeden Tag über die eigene Sicherheit nachdenken zu müssen. Ich kann mir das Gefühl, ständig in Alarmbereitschaft zu sein, eigentlich gar nicht vorstellen. Wie geht man damit um, wenn dieser Zustand zur neuen Normalität wird?
Es muss unglaublich zermürbend sein jeden Morgen zu prüfen ob die Tür wirklich sicher ist und welche Sicherheit dort herrscht.
Aus psychologischer Sicht lässt sich dieses Phänomen der neuen Normalität als Anpassung beschreiben. Das Gehirn bildet Landkarten für wiederkehrende Situationen und sucht Sicherheit jenseits der akuten Gefahr.
Vielleicht geht es weniger um Sicherheit als um Kontrolle über Geschichten. Wer erzählt was über seine Angst und wer verschwendet Gedanken an das was nie kommt.
Ich frage mich ob dauerhafte Alarmbereitschaft wirklich gut ist? Manche sagen man gewöhnt sich daran doch vielleicht gewöhnt man sich nur zu gut an eine ständige Anspannung.
Vielleicht geht es weniger um dauerhaftes Durchhalten als um das Neudenken von Nähe und Schutz. Was bedeutet Sicherheit in einer Stadt die sich verändert hat?
Manchmal helfen kleine Rituale kaum merkliche Pausen zwischen Alarm und Alltag um den Kopf zu sortieren. Es bleibt aber offen wie lange solche Tricks halten.
Vielleicht könnte Resilienz neu gedacht werden nicht als unbegrenzte Kraft sondern als Fähigkeit Pausen zuzulassen und Hilfe zu suchen.