Ich sitze hier und starre auf den Bildschirm, während draußen die Sonne untergeht. Heute hat mich eine Kollegin gefragt, ob ich denke, dass wir wirklich einen freien Willen haben oder ob alles schon vorherbestimmt ist. Ich konnte nur zucken. In meinem eigenen Leben fühlt es sich manchmal so an, als ob ich nur auf vorgezeichneten Linien laufe – die Entscheidung für den sicheren Job, das Einhalten der Erwartungen. Aber dann gibt es diese winzigen Momente, in denen ich eine bewusste Entscheidung treffe, die alles durcheinanderwirbelt. Wo verläuft da die Grenze? Ich frage mich, ob andere auch so hin- und hergerissen sind zwischen dem Gefühl, Schauspieler im eigenen Leben zu sein und gleichzeitig nur Zuschauer einer festgelegten Handlung.
Manchmal wirkt der freie Wille wie eine schöne Fata Morgana, die uns auftreiben will, obwohl draußen alles schon feststeht. Die Momente, in denen ich definitiv anders entscheide, fühlen sich wie flackernde Signale an, die mich aus der Routine ziehen. Bleibt da wirklich ein eigener Kurs oder ist das nur der Zufall, der mein Leben kurz anders zeichnet?
Aus logischer Sicht neigt der Diskurs um den freien Wille dazu sich zu spalten doch in der Praxis mischt sich impuls erinnerung und sozialer Druck zu einem komplizierten Muster. Man sieht Muster statt Kausalität und doch bleibt der Eindruck eines eigenen Zugs am Lenkrad. Vielleicht ist das Thema eher eine Frage wie wir Bedeutung aus Entscheidungen ziehen statt eine klare Ja Antwort zu geben.
Vielleicht ist der freie Wille gar kein echtes Konzept sondern eine Erzählung die uns hilft mit dem Druck fertig zu werden und uns weniger macht als es scheint.
Vielleicht ist der ganze Diskurs über freien Wille nichts als ein Spiel mit Begriffen das uns davon abhält die Verantwortung konkret zu betrachten.