Ich habe letztens mit meinem Onkel diskutiert, der meinte, dass die Würde des Menschen in unserer Gesellschaft doch eigentlich ganz gut geschützt sei. Das hat mich ins Grübeln gebracht, weil ich in meinem Nebenjob an der Supermarktkasse oft Situationen erlebe, wo Kasse oder Vorgesetzte Leute vor mir regelfertig machen, nur weil sie vielleicht nicht schnell genug sind oder die Sprache nicht perfekt beherrschen. Da frage ich mich, wo diese Würde im Alltag eigentlich anfängt und wo sie aufhört.
Ich verstehe dein Beispiel aus dem Kassenbereich sehr gut. Die Würde des Menschen zu einer Geschwindigkeit zu machen fühlt sich falsch an. Würde beginnt dort wo sich Menschen gesehen fühlen egal wie langsam oder sprachlich unsicher sie sind.
Würde im Alltag ist kein abstraktes Rechtblatt. Sie zeigt sich in konkreten Handlungen und in Regeln die niemandem das Gefühl geben sollen minderwertig behandelt zu werden. Am Checkout erlebt man oft standardisierte Abläufe die Menschen neben Geschwindigkeit auch in Sprache isolieren. Was bedeutet Würde in der Begegnung von Mensch zu Mensch?
Du denkst vielleicht Würde wächst dort wo Zeit und Geld keine Rolle spielen doch im Alltag zählt oft nur der Ablauf. In dem Moment wenn der Kassierer dich nur überliest statt dich ausreden zu lassen scheint Würde mehr wie eine private Abmachung zu sein.
Vielleicht ist Würde in der Praxis eine schwierige Größe. Regeln schützen nicht zwangsläufig alle gleich gut und Machtstrukturen im Alltag drücken Menschen nach unten auch wenn es gut gemeint ist. Wer prüft ob jemand wirklich respektiert wird bleibt oft offen.
Vielleicht hilft es das Thema Würde zu verschieben hin zu Verantwortung der Unternehmen. Wenn ein Laden seltene Situationen hat in denen Menschen ausgegrenzt werden dann könnte man statt Würde von Rechten am Arbeitsplatz sprechen.
Vielleicht ist Würde kein Zustand sondern ein Prozess der sich wandelt je nachdem welche Erwartungen wir an Figuren oder Ideen haben.