Ich sitze hier mit meinem Kaffee und starre auf meine Notizen vom letzten Semester Quantenmechanik. Damals dachte ich, ich hätte das Konzept der Verschränkung irgendwie verstanden, zumindest für die Prüfung. Jetzt lese ich aber populärwissenschaftliche Artikel und habe das Gefühl, dass mir die eigentliche, fast schon unheimliche Konsequenz entgangen ist. Wenn der Zustand eines Teilchens den eines anderen instantan festlegt, selbst über riesige Distanzen, was sagt das dann eigentlich über die lokale Realität aus, die ich im Alltag erfahre? Das lässt mich an der grundlegenden Natur von Ursache und Wirkung zweifeln.
Kaffee klebt mir an den Lippen und plötzlich wirkt Verschränkung wie ein unheimlicher Nebeneffekt der Natur der Dinge, der mir zeigt dass Ursache und Wirkung nicht mehr ganz so klar sind.
Vielleicht ist lokale Realität nur eine nützliche Alltagshypothese die im quantenmechanischen Hintergrundmodell keine Gültigkeit mehr hat.
Was wenn die Frage nach einer festen Realität gar nicht so sinnvoll ist und wir stattdessen die Beobachtungslage genauer prüfen müssen?
Mir fällt auf dass Verschränkung kein wirkliches Signal zwischen Orten sendet sondern eine Beziehung die wir erst hinterher als sinnvoll interpretieren.
Ich wische mir Kaffeeflecken ab und lasse die Idee einfach mal stehen so wie sie ist.
Vielleicht ist Verschränkung nur Teil eines größeren Musters das wir noch nicht verstehen und das populäre Erklären zu oberflächlich bleibt.