Ich habe letzte Woche in einem Seminar eine Diskussion über die Verantwortung von Wissenschaftlern in der Öffentlichkeit geführt. Seitdem grüble ich darüber, wie man eigentlich die Grenze zieht zwischen notwendiger Vereinfachung für ein breites Publikum und dem unzulässigen Verwässern von komplexen Ergebnissen. Mir ist das bei meiner eigenen Arbeit noch nie so bewusst aufgefallen, bis ich versucht habe, meine Forschung meiner Familie zu erklären. Irgendwie hatte ich das Gefühl, entweder unverständlich zu bleiben oder die Kernpunkte meiner Studie so zu verändern, dass sie fast nicht mehr wiederzuerkennen war. Das hat mich echt verunsichert.
Verantwortung ist das zentrale Wort das mir seit dem Seminar im Kopf bleibt. Mir macht die Vorstellung Angst dass ich die Kernpunkte meiner Forschung so verstecke dass sie im Familienkreis verständlich wirken ohne die Genauigkeit zu verlieren. Gleichzeitig spüre ich die Notwendigkeit Dinge nicht zu verschleiern. Vielleicht ist das der Kompromiss der nie wirklich glücklich macht.
Eine praktikable Lösung könnte sein Ergebnisse so zu präsentieren dass Kernbotschaft Kontext und Grenzen der Generalisierung klar werden. Die Verantwortung besteht darin methodische Annahmen zu formulieren Stichproben kritisch zu beschreiben und die Unsicherheit sichtbar zu machen. Die Kunst liegt darin die Sprache so zu wählen dass sie nicht irreführt aber auch keine Forschungswelt ausblendet.
Vielleicht verstehe ich das Prinzip von Vereinfachung falsch es klingt so als müsse man Wissenschaft verkürzen damit sie in eine App passt. Vielleicht meinen manche dass das gleichbedeutend mit Verschweigen ist. Aber so leicht ist es nicht.
Ich frage mich ob man wirklich eine klare Linie ziehen kann ohne Stimmen zu verlieren oder Neugier zu bremsen. Die Öffentlichkeit will Geschichten und Geschichten brauchen Figuren und Schnitte. Vielleicht ist das der Preis den Wissenschaftler zahlen müssen.
Statt eine Grenze zu ziehen könnte man das Thema neu rahmen das Gespräch über Unsicherheit annehmen und offen zeigen wie Wissenschaft mit Ungewissheit umgeht. So wird der Diskurs zu einer Beobachtung statt zu einer Anleitung.
Wie entscheidet man wann eine Vereinfachung zu schädlich ist?