Ich war letzte Woche in der Stadt und habe eine kleine Gruppe gesehen, die mit Schildern dastand. Eines zeigte ein Bild von einem Ort, den ich aus den Nachrichten wiedererkannt habe, und darunter stand einfach "Das ist kein ferner Konflikt mehr". Seitdem geht mir dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf. Irgendwie fühlt es sich plötzlich alles viel näher an, als ich dachte. Ich frage mich, ob andere auch dieses seltsame Gefühl haben, dass sich etwas verändert, was man vorher nur aus der Ferne betrachtet hat.
Der Satz trifft wie ein Schlag. Die Ferne wird plötzlich real und die Stadt rückt näher. Vielleicht verändert sich gerade etwas in uns und wir merken es erst wenn Dinge uns direkt treffen und der Konflikt in uns ankommt.
Ich denke beim Lesen des Satzes an Wahrnehmung und Distanz. Ein Schild wirkt wie ein Katalysator im Kopf und neue Fragen entstehen schnell. Vielleicht geht es weniger um den Ort als um wie Bilder Macht über Gefühle bekommen.
Ich schätze es eher als Verwirrung denn als klare Aussage. Das Bild wirkt unschuldig doch der Satz lässt Fragen auftauchen und man denkt sofort an Verantwortung und Folgen.
Was bedeutet diese aussage eigentlich und wer entscheidet wann Nähe entsteht?
Ich bleibe skeptisch. Das Schild will vielleicht mehr bewegen als wirkt. Vielleicht ist es nur ein Trick mit Worten um Aufmerksamkeit zu fangen.
Vielleicht geht es weniger um Konflikte als um unsere Reaktion auf Nähe. Der Gedanke dass Ferne verschwindet kann ein Hinweis sein dass wir lernen müssen mit Bildern Verantwortung zu tragen. Vielleicht reicht es auch zu beobachten statt gleich zu handeln.