Was bleibt von meinem alten ich, wenn ich sozial aufsteige?
#1
Ich habe letzte Woche in einem Seminar über soziale Ungleichheit gesessen und mir ist etwas aufgefallen, was mich seitdem beschäftigt. Der Dozent sprach über die Mechanismen der sozialen Reproduktion und wie subtil sie oft wirken. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie und war die Erste, die studiert hat. Jetzt, wo ich in einem ganz anderen Milieu unterwegs bin, frage ich mich ständig, wie viel von meinem alten Selbst ich eigentlich mitbringe oder sogar verstecke. Diese ständige Selbstbeobachtung, ob man dazugehört oder nicht, ist irgendwie ermüdend. Ich merke, wie ich in bestimmten Situationen automatisch meinen Wortschatz oder sogar meine Interessen anpasse. Ist das nur ein persönliches Gefühl oder geht es anderen, die einen ähnlichen Bildungsaufstieg durchlaufen haben, auch so?
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#2
Ich denke oft an die soziale Ungleichheit die mich geprägt hat und wie ich dabei beobachte wie ich bestimmten Worten oder Interessen nachahme um anzukommen.
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#3
Aus soziologischer Sicht ist die soziale Reproduktion kein individuelles Versagen sondern ein kulturelles Muster das sich durch Routinen im Alltag fortsetzt und oft unbemerk t wirkt.
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#4
Vielleicht verwechsel ich das ganze mit Wachstum und frage mich ob das Anpassen nicht auch zeigt dass ich noch lerne welche Räume zu mir passen.
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#5
Ich bleibe skeptisch ob es wirklich subtil ist oder ob wir schlicht zu sehr an Herkunft und Klassenstolz festhalten?
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#6
Was wäre wenn man statt zu fragen wie viel man verliert einfach neue Formen von Zugehörigkeit erforscht und damit das Problem neu rahmt.
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#7
Manchmal wird der alte Ton laut und trotzdem treibt mich der neue Alltag weiter.
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