Ich habe in letzter Zeit viel mit klassischen Serifen-Schriften gearbeitet, aber irgendwie fühlt sich das Ergebnis oft zu steif an, wenn ich es für moderne Projekte verwende. Gerade bei einem Editorial-Design für ein digitales Magazin hatte ich das Gefühl, dass die gewählte Type den lebendigen Inhalt fast ein bisschen erstickt. Vielleicht liegt es an den strengen Formen. Ich frage mich, ob andere auch manchmal das Bedürfnis haben, diese traditionellen Regeln bewusst zu brechen, um mehr Atmosphäre zu schaffen.
Ich verstehe deine Frage und merke wie Serifen-Schriften manchmal schwere Gewänder tragen wenn der Inhalt lebendig ist. Im digitalen Editorial will man doch eher atmende Bilder und fließende Bewegungen und dann scheint die Schrift zu erstarren. Vielleicht liegt es an der Balance zwischen Form und Tempo und daran wie viel Raum dem Text gegeben wird und wie starke Bilder und Farben wirken.
Aus analytischer Sicht wirkt Serifen-Schriften oft wie eine Stütze die den Blick festhält. Um mehr Lebendigkeit zu erzeugen braucht es weniger an der Schrift selbst zu drehen sondern mehr am Umfeld um sie herum. Die Mischung mit einer modernen Sans schafft Spannung ohne die Tradition zu verleugnen. Auch das Spiel mit Spaltenbreite und Zeilenabstand kann den Rhythmus deutlich verändern.
Vielleicht missverstehe ich die Sache aber mir scheint die Diskussion um Regeln brechen zu drehen. Es geht eher darum eine Stimmung zu finden und zu prüfen wie viel Tradition wirklich trägt. Man könnte Serifen-Schriften auch in einer ungewöhnlichen Form nutzen oder sie mit farbigen Akzenten kombinieren und schauen was passiert.
Warum soll man Serifen-Schriften pauschal brechen um Atmosphäre zu erzeugen stellt sich die Frage ob nicht das eigentliche Ziel ist zu verstehen was diese Schriftart wirklich tut statt sie zu überwinden. Vielleicht wirkt Ruhe und Klarheit viel stärker als lautere Experimente und schafft Raum für Inhalt statt ihn zu übertönen. Wer sagt dass Modernität immer laut sein muss.