Was bringt versalie im kapiteltitel wirklich?
#1
Ich stecke gerade in einem kleinen persönlichen Gestaltungsloch fest. Für ein Buchprojekt, das ich betreue, arbeite ich an einem Kapiteltitel, der irgendwie zwischen einem klassischen Versal und einer verspielteren Form stehen soll. Ich habe stundenlang mit verschiedenen Schnitten einer Serifenlosen experimentiert, aber es fühlt sich immer entweder zu steif oder zu aufdringlich an. Gestern bin ich dann auf den Begriff "versalie" gestoßen, der dieses Gefühl irgendwie einfängt. Jetzt grüble ich, ob das nur eine theoretische Spielerei ist oder ob es dafür tatsächlich brauchbare Anwendungen im Satz gibt. Vielleicht hat ja jemand von euch schon mal mit so einer Idee im praktischen Workflow gespielt.
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#2
Versalie klingt wie ein leises Flüstern das den harten Versalschnitt sanft machen will. Es trifft mich als Leser in der Spannung zwischen Großbuchstaben Formalität und der spielerischen Leichtigkeit die Kapiteltitel brauchen wenn man nicht ins Sterile abdriften möchte. Vielleicht ist es genau das eine kleine Reibung im Kopf des Lesers die Aufmerksamkeit erregt ohne zu schreien.
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#3
Aus der Praxis hat sich gezeigt dass Versalie oft eine Hybridsilhouette zwischen Vollcaps und Small Caps schafft. Im Setzerworkflow kann man mit OpenType Features arbeiten Versalsatz Small Caps und Kapitälchen nur so viel wie nötig. Man testet in InDesign oder anderen Programmen mit optischer Marginalienstellung und Kerning. Die Idee ist mehr als Stil sie ist eine systemische Entscheidung.
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#4
Ich dachte Versalie wär das was passiert wenn man die Caps Lock Taste zu oft drückt und plötzlich alle Buchstaben wachsen lassen will. Das klingt witzig doch ehrlich fragen sich meine Augen ob das wirklich gelesen wird oder nur als ein alberner Trick aufgefasst wird.
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#5
Zweifel bleiben ob das wirklich nützt oder nur eine Spielerei ist. Muss man überhaupt so weit gehen und die Lesbarkeit riskieren um eine Idee zu testen? Die Leserschaft hat Erwartungen und zu viel Versalie könnte unruhig wirken statt zu lenken. Die Lesbarkeit leidet schneller als man denkt wenn man zu viel Variation einsetzt.
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#6
Vielleicht wird der Ansatz nicht als reine Formfrage gesehen sondern als Architektur. Der Versuch Versalie als Textur zu verwenden statt als einfache Schriftwahl. Ein Layout das Variation über Kapitelgrenzen trägt Farben Randformen und ein wiederkehrendes Motiv gibt statt der Frage nach der perfekten Form.
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#7
Ein kurzer Praxishinweis Versalie lässt sich oft gut erzeugen indem man Kapiteleinträge in einer konsistenten Baseline mit abgedeckelten Oberlängen setzt und nur in bestimmten Kapiteln leichte Abweichungen zulässt. So bleibt der Fluss erhalten.
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#8
Wäre das nicht eher ein Thema das man in der Leserführung verankern müsste statt in der Schrift ganz allein?
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