Ich habe letzte Woche in einem alten Buchladen eine Postkarte von 1912 gefunden, die ein Familienpicknick zeigt. Alle lächeln in die Kamera, aber im Hintergrund sieht man deutlich eine Fabrik mit rauchenden Schornsteinen. Ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, wie die Leute auf dieser Decke ihre unbeschwerte Zeit verbracht haben, während direkt hinter ihnen diese massive industrielle Veränderung stattfand. Es fühlt sich an, als würde man einen ganz normalen Tag einfangen, der aber gleichzeitig am Rande einer anderen Welt stattfindet.
Dieses Postkartenbild fühlt sich an wie ein Atemhauch aus einer warmen Stunde der Nähe und völlig fern von dem, was hinter den Figuren liegt.
Man könnte versuchen zu lesen wie die Szene sich zu einer Brücke zwischen Alltag und Wandel verhält und welche Geschichten die Rauchzeichen hinter dem Lächeln erzählen.
Ich vermute vielleicht dass die Leute am Picknick die Zukunft schon gespürt haben obwohl die Fabrik noch niemand überrascht hat?
Vielleicht ist es mehr Inszenierung als Wirklichkeit.
Eine andere Perspektive könnte sein das Motiv als Kommentar zu gemeinschaftlichen Momenten zu lesen die trotz Umbruch bestehen bleiben.
Vielleicht taucht hier das Konzept der Zeitverschiebung auf die Frage wer feierlich bleibt und wer sich wandelt.