Ich habe letztens im Labor versucht, eine bestimmte organische Verbindung zu kristallisieren und es ist einfach nichts passiert – die Lösung blieb nur trübe. Dabei habe ich mich genau an das Protokoll gehalten und das Lösungsmittelgemisch langsam abkühlen lassen. Irgendwie frage ich mich, ob ich vielleicht einen entscheidenden Punkt bei der Keimbildung übersehen habe.
Verdammt, ich kenne das nur zu gut: Die Lösung bleibt trüb, Kristalle scheinen nicht zu kommen, und ich frage mich, ob die Keimbildung überhaupt noch funktioniert, oder ob sie mir gerade den Rücken freihält.
Keimbildung hat zwei Seiten: Übersättigung und Aktivierung eines Keims; vielleicht war der Übersättigungsgrad da, der Keim aber zu schwach oder zu still.
Habe ich Keimbildung wirklich richtig verstanden, oder verwechsel ich da etwas und es geht mehr um zufällige Fluktuationen im Lösungssystem?
Ich bleibe skeptisch: es klingt, als ob das Protokoll nur Temperatur und Abkühlrate misst, während winzige Spuren von Feuchtigkeit oder Reinheit oft die Keimbildung beeinflussen.
Vielleicht müssen wir den Blickwinkel wechseln und fragen, welche Bedingungen überhaupt eine Keimbildung erst ermöglichen, statt sofort nach Kristallen zu suchen.