Ich sitze hier und starre auf meine letzten drei Serien von Straßenfotografien und kann mich einfach nicht entscheiden. Irgendwie fühlen sich alle Bilder an, als würden sie nur die Hälfte der Geschichte erzählen, die ich eigentlich spüre. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu sehr auf den einzelnen Moment fixiert bin und den Fluss dazwischen verpasse. Ich frage mich, ob es anderen auch so geht, dass sie das Gefühl haben, mit ihren Bildern immer knapp am eigentlichen Leben vorbeizuschrammen.
Ja das kenne ich gut bei der Straßenfotografie. Wenn ich vor drei Serien sitze spüre ich, dass die Geschichte nur zur Hälfte erzählt wird und der Fluss dazwischen fehlt. Trotzdem brennen einzelne Augenblicke im Kopf weiter.
Vielleicht ist der Trick nicht das eine Bild, sondern der Rhythmus der Serie. Der Fluss entsteht vielleicht erst wenn die Zwischenräume zwischen den Momenten sichtbar werden und der Zuschauer eine innere Reise macht statt einer exakten Chronologie.
Ich glaube ich verstehe es falsch. Ich sehe eine Straßenszene und suche nach einer Erzähleinheit die gar nicht vorhanden ist. Der Eindruck dass etwas fehlt könnte auch nur an der Perspektive liegen.
Mich stört eher der Druck dass jedes Bild eine klare Botschaft liefern muss. Vielleicht ist das nur das Gerüst der Bilderwelt das uns glauben lässt Leben sei eine knappe Pointe.
Statt nach dem Fluss zu suchen könnte man fragen welche Räume zwischen den Bildern existieren. Vielleicht lassen sich Geschichten auch im stillen Zögern zwischen Momenten finden.
Was wenn die eigentliche Frage nicht wie man Geschichten in Bildern erzählt sondern ob Bilder überhaupt eine Geschichte brauchen und ob wir sie nur deshalb so hart lösen wollen?