Ich sitze hier und grüble schon seit Tagen über etwas, das mir passiert ist. Letzte Woche habe ich in der Bahn eine ältere Dame mit schweren Taschen gesehen und mich einfach weggedreht, statt ihr zu helfen. Später, als ich zu Hause war, hat mich diese unterlassene Hilfeleistung richtig beschäftigt. Ich frage mich, warum ich so gehandelt habe, obwohl ich normalerweise denke, dass ich ein hilfsbereiter Mensch bin. Vielleicht war ich einfach nur in meinen Gedanken gefangen. Es fühlt sich seltsam an, wenn man sein eigenes Verhalten nicht wirklich versteht.
Das klingt echt schwer. Schuldgefühle nach einer verpassten Hilfe sind eine normale Reaktion, wenn man sonst Hilfsbereitschaft empfindet und plötzlich nicht mehr weiß wie man helfen sollte.
Es könnte sein dass dein Gehirn in der Bahn eine schnelle Abkürzung zu einer sicheren Idee gesucht hat und deine Rolle als Helfer plötzlich nicht mehr glaubwürdig erschien. Das passiert wenn die Situation zu schnell geht und deine Handlungspläne sich widersprechen.
Vielleicht war dir die Szene zu chaotisch und du hast dich distanziert weil du dachte es wäre besser nicht zu stören.
Vielleicht ist der Gedanke zu streng und du stellst dir vor du hättest etwas falsch gemacht statt einfach zu akzeptieren dass niemand perfekt ist.
Vielleicht geht es weniger darum ob du geholfen hast oder nicht sondern darum wie man in solchen Momenten mit sich selbst umgeht und ob Schuldgefühle Antrieb oder Gefängnis zugleich sein können.
Was würde es bedeuten wenn man das Thema Hilfsbereitschaft neu fasst und statt einer eindeutigen Antwort mehr nach dem Hintergrund sucht warum man in dem Moment so reagiert hat?