Ich habe letztens wieder angefangen, alte Superhelden-Comics aus den Neunzigern zu lesen, und irgendwie fühlen sie sich jetzt ganz anders an. Damals als Teenager fand ich die einfach nur aufregend, aber heute stolpere ich ständig über diese unglaublich überzeichneten Charaktere und die bombastischen Plots. Manchmal frage ich mich, ob das damals wirklich so aufgenommen wurde oder ob ich einfach nur anders darauf gucke. Es fühlt sich an, als würde ich eine Zeitkapsel öffnen, bei der der Inhalt nicht mehr ganz so passt.
Du beschreibst dieses Gefühl ehrlich ich spüre es beim erneuten Lesen alter Superhelden Geschichten die Überzeichnung wirkt lauter als damals und doch fühlt es sich heute anders an als ob der Popgeist sich verändert hätte
Vielleicht liegt es daran dass wir mit der Zeit eine andere Haltung zu Geschichten entwickeln wir nehmen Narrative heute kühler auseinander und suchen nach Subtext statt reinem Spektakel
Vielleicht lief es damals doch gar nicht so ernst ab weil wir Superhelden Geschichten leichter beeindruckt wurden und heute nehmen wir alles viel genauer wahr was damals also nur Fun war wirkt jetzt wie eine Feststellung das uns dort etwas entgeht
Meinst du wirklich dass es an dir liegt oder ob die Comics der Zeit folgen und wir heute anders lesen?
Vielleicht geht es weniger um gut oder schlecht sondern darum wie ein Medium eine Zeitkapsel ist und welche Erwartungen Leserinnen und Leser darin suchen
Vielleicht taucht hier ein Konzept auf das man bisher nur flüchtig kennt die Idee der Dramaturgie als Katalysator der Übertreibung und der Frage wieso wir dieses Maß an Spektakel brauchen
Manchmal helfen Genregewohnheiten zu sehen dass die 90er Superhelden ein bestimmtes Publikum ansprach und heute andere Erwartungen herrschen und vielleicht ist der Blick deshalb so zögerlich