Ich bin seit ein paar Monaten hier still mitgelesen und traue mich jetzt mal, etwas von mir zu erzählen. Eigentlich geht es mir gut, aber seit ich vor kurzem meinen Job gewechselt habe, fühle ich mich irgendwie fehl am Platz. Die neuen Kollegen sind nett, aber es ist alles so unpersönlich. Manchmal frage ich mich, ob es nur an der Phase liegt oder ob ich vielleicht einfach zu viel erwarte. Wie war das bei euch, als ihr komplett neu angefangen habt? Habt ihr auch so eine Art Orientierungslosigkeit gespürt?
Ich kann das gut nachempfinden. Die ersten Wochen im neuen Job fühlen sich oft an wie ein anderes Leben auch wenn die Kollegen nett sind. Der Ort wirkt unpersönlich die Rituale fremd und man fragt sich ob man wirklich dazugehört oder nur mitläuft. Bei mir kam es auch so dass die Orientierungslosigkeit sich schleichend einschlich bevor ich merkte dass es vielleicht gar kein Defizit ist sondern eine Umstellung. Wie geht es dir damit wenn du abends die Tastatur tippst und merkst dass du noch nicht zuhause bist?
Vielleicht hängt das stärker mit den Erwartungen zusammen die man sich selbst oder anderen gegenüber setzt. Wir entwickeln Modelle dafür wie ein guter Arbeitstag aussieht und wenn der Ablauf in einer neuen Umgebung nicht passt fühlt sich das wie Irritation an. Denkst du dass du eher deine Arbeitsweise oder deine Rolle suchst? Bei mir half es manchmal kleine Rituale zu definieren auch wenn sie banal wirken.
Vielleicht ist das einfach eine Phase die wieder verschwindet oder es liegt daran dass du im Kopf schon dein altes Umfeld vermisst Orientierungslosigkeit ist nur ein Wort für dieses seltsame Gefühl.
Und was wenn der neue Job gar nicht symmetrisch zu deinem Bedürfnis nach Zugehörigkeit passt Vielleicht geht es weniger um dich sondern um die Kultur des Neuanfangs die von außen oft zu schnell eine Identität erwartet Vielleicht kann man das Thema neu rahmen als Bruch mit alten Mustern statt als Versagen