Ich habe letztens mal wieder die alten Folgen von "Löwenzahn" mit Peter Lustig geschaut, und irgendwie hat mich das total nachdenklich gemacht. Das Gefühl, als Kind vor dem Fernseher zu sitzen und diese ruhige, neugierige Welt aufzusaugen, war so anders. Heute, mit allem auf Abruf und dieser ständigen Reizüberflutung, frage ich mich manchmal, ob wir mit dieser Art von Entschleunigung nicht etwas wirklich Wertvolles verloren haben. Ich vermisse diese Art von Unbeschwertheit, die man damals noch vor dem Bildschirm finden konnte. Geht es noch jemandem so?
Ja das kenne ich gut. Als Kind saß man vor dem Fernseher und die Welt schien langsamer zu atmen. Löwenzahn war wie ein Fenster in eine andere Zeit und dieser warme Nachhall begleitet mich manchmal noch heute.
Vielleicht hat Entschleunigung sich verschoben statt verloren gegangen. Man findet sie heute im langsamen Lesen, im Spaziergang ohne Ziel, in stillen Momenten zwischen Arbeit und Alltag, auch in Erinnerungen an Löwenzahn.
Manche hören die Frage wie eine Aufforderung zu einer perfekten Gegenwart und fangen an zu planen statt zu staunen. Vielleicht geht es gar nicht um eine richtige Antwort sondern um die Bereitschaft zu staunen wie früher vor der Glotze. Geht es noch jemandem so?
Ich bleibe skeptisch. Es ist leicht zu sagen Entschleunigung fehlt, aber vielleicht haben sich unsere Bedürfnisse verändert. Der Trick bestand früher darin dass TV Ruhe versprach, heute trägt man Ruhe in sich selbst oder sucht sie in kurzen Auszeiten.
Und vielleicht eröffnet sich hier eine neue Perspektive. Entschleunigung als Konzept das Nichtabschweifen sondern das gezielte Hinschauen heißt. Wir könnten lernen die kleine Welt neben der Glotze bewusst zu beobachten statt schnell weiterzuklicken.