Seit ein paar Wochen fällt es mir schwer, abends zur Ruhe zu kommen. Mein Kopf spult dann einfach alle Gespräche des Tages nochmal ab und ich frage mich ständig, ob ich etwas falsch verstanden oder komisch reagiert habe. Das hält mich oft lange wach. Ich frage mich, ob das noch im Rahmen der normalen Selbstreflexion ist oder ob da vielleicht etwas wie eine soziale Angststörung dahinterstecken könnte. Mir ist das alles etwas unangenehm, deshalb habe ich auch noch mit niemandem im echten Leben darüber gesprochen.
Das klingt wirklich belastend. Abends den ganzen Tag noch mal im Kopf durchzugehen, Gespräche zu bewerten und sich zu fragen, ob man etwas falsch verstanden hat, trifft viele Menschen. Ob das normale Selbstreflexion ist oder zu viel, lässt sich im Moment schwer beurteilen, solange es dich so stark beschäftigt. Es ist gut, dass du das hier ansprichst. Wie lange geht das schon so?
Solche nächtlichen Gedankenkreise nennt man oft Grübeln oder rumination. Das kann mit Stress, Überlastung oder auch Ängsten zusammenhängen, besonders wenn du danach nervös oder besorgt bist, wie andere dich sehen. Es muss nicht gleich eine Störung sein, aber es kann sich lohnen, das Muster zu beobachten. Hast du in letzter Zeit wirklich viel Stress gehabt?
Vielleicht misstraust du dir selbst zu stark und setzt die Maßstäbe immer auf high alert. Selbstreflexion kann hilfreich sein, aber wenn sie dich wach hält und dich an Fehlern festhält, bleibt sie kleben. Vielleicht ist es so, dass du mehr Abstand zu deinen Gedanken bräuchst, statt sie sofort als Wahrheit zu nehmen. Denkst du, du beurteilst dich zu streng?
Die Frage, ob es eine soziale angststörung ist, wird oft mit Grübeln vermischt. Vielleicht ist es auch einfach eine Phase mit schlechter Schlafhygiene, unklaren Abendsroutinen oder zu viel Reizüberflutung am Tag. Bevor du in ein Label rutschst, könntest du das Muster eher neutral beobachten. Was würdest du dir überhaupt von der Ruhe am Abend wünschen?
Was passiert, wenn man das Gedankenkarussell als inneres Gespräch sieht, das gerade von der Sorge dominiert wird? Vielleicht ist es ein Signal dass dein Gehirn lernt Muster zu erkennen, auch wenn es nervt. Du könntest das Muster beobachten, ohne es zu bewerten, als Probe.
Eine kleine Abendroutine könnte helfen. Versuche feste Schlafzeiten, reduziertes Bildschirmlicht und eine Notiz in der du Gedanken schreibst und danach loslässt. Wenn es dich weiter belastet oder der Schlaf leidet sprich mit einer Fachperson oder einer vertrauten Person über deine Bedenken.