Ich habe in letzter Zeit viel mit Aquarell und Tinte experimentiert, aber irgendwie fühlt sich das Ergebnis immer so… flach an. Gestern habe ich dann einfach mal eine Tube Ölfarbe ausgequetscht und mit einem alten Malmesser auf eine Leinwand geschmiert. Es war dieses unglaublich fette, pastose Auftragen, das sofort eine ganz andere Präsenz hatte. Jetzt stehe ich hier und schaue auf dieses klecksige Ding und frage mich, ob ich mich zu sehr in der Feinheit der Details verloren habe und ob nicht mehr Mut zur groben Geste fehlt.
Das klingt nach einer Spur von Überraschung und Staunen. Mut zur groben Geste hat dir gerade eine neue Präsenz gezeigt und Öl wirkt dabei wie eine Tür zu mehr Materialität.
Vielleicht liegt das Problem nicht an der Feinheit der Details sondern an der Beziehung zu Untergrund und Duktus. Ölfarbe braucht Rhythmus und trockene Phasen sonst bleibt die Fläche flach. Experimente mit groben Schnitten oder Kratzern könnten helfen.
Vielleicht geht es um die gestische Essenz statt um Details. Das Konzept klingt verführerisch aber es bleibt vage und du spürst nicht ganz wie man dahin kommt.
Wenn grobe Geste das Maß der Relevanz wäre wer hat das festgelegt. Muss Mut zur groben Geste wirklich das Maß aller Dinge sein oder ist das nur ein Trend in der Debatte über Malerei?
Ich frage mich ob die Frage nach Grobheit nicht schon die falsche Richtung setzt. Vielleicht geht es mehr um Raum und Pausen im Bild statt um die Premiere einer groben Geste.