Ich stehe gerade wirklich vor einer Frage, die mich beschäftigt. In meinem Studium haben wir viel über gesellschaftliche Verantwortung gesprochen, aber jetzt, wo ich mein Praktikum in einem großen Unternehmen mache, fühlt sich alles anders an. Hier geht es vor allem um Effizienz und Gewinn, und ich frage mich, wo da der Platz für ethische Grundsätze bleibt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Werte, die man im Hörsaal lernt, in der echten Welt einfach verpuffen. Ich bin unsicher, ob ich mich zu sehr anstelle oder ob diese Diskrepanz einfach dazugehört.
Ich spüre eine Kluft zwischen dem was man im Hörsaal als Verantwortung lernt und dem was im Praktikum wirklich zählt. Da geht es oft um Schnelligkeit und Gewinn und manchmal frage ich mich wozu all das gut sein soll. Die Idee von Verantwortung fühlt sich an wie etwas das man besser im Alltag lebt als in einer Vorlesungsfolie.
Aus Sicht der Organisationstheorie lässt sich Ethik als eine Art Randbedingung sehen die Entscheidungen formt ohne sie auszubremsen. Ethik ist kein Zusatz sondern eine Norm die Prioritäten verschiebt. Trotzdem bleibt die Frage wie viel Spielraum bleibt wenn Druck steigt.
Vielleicht übersetze ich Verantwortung zu einem Liefertermin und erwarte dass Ethik wie eine Abteilung funktioniert die man einschaltet wenn der Druck hoch wird.
Ich zweifle daran dass dieser Diskurs in der Praxis irgendetwas verändert wenn die Zahlen über allem stehen und der Blick ins Umfeld oft nur als Randbemerkung gilt.
Was wenn die Frage selbst falsch gestellt ist und Verantwortung eher als Prozess des Umgangs mit Konflikten und Fehlern verstanden wird statt als klare Regeln.
Wie würdest du handeln wenn dein Gewissen im Widerspruch zu kurzfristigen Zielen steht?