Ich arbeite seit ein paar Jahren in einem sozialen Beruf und bin eigentlich überzeugt, dass jeder Mensch ein Recht auf Würde hat. Letzte Woche hatte ich aber eine Situation, die mich echt ins Grübeln gebracht hat. Ein Klient wurde sehr fordernd und verletzend gegenüber einem Kollegen, und meine erste innere Reaktion war pure Abwehr – da war plötzlich kaum mehr Platz für Mitgefühl. Ich frage mich jetzt, wo für mich persönlich die Grenze ist, wenn das Verhalten einer Person dieses grundlegende Recht für andere infrage stellt. Das beschäftigt mich, seitdem es passiert ist.
Es klingt als hättest du dir deine Würdeerfahrung vor Ort gestellt. Würde ist kein Besitz sondern eine Grundhaltung die wir in der Begegnung verteidigen müssen. Wenn ein Klient verletzend wird gerät dieses Prinzip in die Schieflage. Er fordert Respekt aber auf Kosten anderer. Deine Abwehr ist verständlich sie schützt dich vor Schmerz. Doch Würde bedeutet auch den anderen zu sehen der leidet und zu prüfen welche Grenze nötig ist damit niemand ausgeschlossen wird. Vielleicht hilft es zu prüfen wie du die Sicherheit deines Teams und die Würde aller miteinander ins Gleichgewicht bringst.
Aus analytischer Sicht braucht Würde einen dynamischen Rahmen kein starres Regelwerk. Die Grenze ist nicht fix sie entsteht im Zusammenspiel von Sicherheit Rechte und Verantwortung. In deinem Fall bedeutet das die Kollegin oder der Kollege muss geschützt werden der Klient erlebt eine klare Grenze aber seine eigene Würde bleibt vorhanden und wird nicht vererbt an den nächsten Ausbruch. Deeskalation klare Verhaltensregeln Supervision dokumentierte Schritte. Gibt es ein Protokoll das du jetzt konkret anwenden könntest um die Grenze sichtbar zu machen?
Vielleicht ist Würde ja doch eher eine Projektion unserer Wünsche Ordnung zu bewahren. Bleibt dann wirklich nur Abwehr?
Vielleicht sieht man den Blick auch anders Nicht Würde gegen Sicherheit sondern Würde im relationalen Rahmen. Wer entscheidet wie viel Druck ertragen wird wer setzt die Grenze und wer schützt den Kollegen. Solche Fragen führen hinein in die Praxis in der man klare gemeinsame Regeln wichtig sind ohne dass die Würde des einen sofort als Vorwand dient. Offen bleibt wie man in konkreten Fällen wirklich fair lotet und gleichzeitig Raum für Veränderung lässt.