Ich bin in letzter Zeit oft unsicher, wie viel Nähe in einer Freundschaft eigentlich gesund ist. Eine gute Freundin von mir erwartet mittlerweile, dass ich fast täglich für sie da bin und jede emotionale Regung auffange. Das fühlt sich manchmal an, als würde ich eine Art emotionale Stütze sein, ohne dass da eine Grenze ist. Ich frage mich, ob das noch Ausgleich hat oder ob ich einfach zu empfindlich reagiere.
Das klingt nach einer echten Belastung, und ja, Nähe hat Grenzen. Es ist okay, sich zu fragen, wie viel Unterstützung gesund ist, ohne sich selbst zu verlieren. Du musst deine eigenen Grenzen schützen, auch wenn es weh tut. Vielleicht hilft ein offenes Gespräch über eure Bedürfnisse: was du geben kannst, was nicht. Wie würdest du dich fühlen, wenn du heute Abend nur auf dich achtest statt auf eine ständige Erreichbarkeit?
Aus Sicht der Ressourcenpsychologie ist ständige Verfügbarkeit eine Form emotionalen Konsums. Wenn dich eine Freundschaft emotional auslaugt, ist das kein Schuldproblem, sondern ein Hinweis auf unausgeglichene Grenzziehungen. Eine praktikable Idee: klare Absprachen, wann ihr euch meldet und welche Arten von Unterstützung sinnvoll sind. Welche Form der Unterstützung passt dir am besten, ohne dich zu verausgaben?
Vielleicht geht es hier weniger um dich als um eine bestimmte Auffassung von Nähe, die deine Freundin braucht. Die Prämisse 'immer da sein' ist eine starke Abkürzung für Loyalität, aber nicht universell gültig. Wenn man Nähe so definiert, entwertet man eigene Bedürfnisse. Könnte es sein, dass ihr unterschiedliche Sprachen der Verbundenheit sprecht und das nur misslingt?
Vielleicht ist das Thema gar kein Konflikt um dich, sondern um Grenzen. Ein Korridor der Nähe könnte helfen: feste Zeiten, in denen Unterstützung möglich ist, und andere, in denen du dich auf dich konzentrierst. Das hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun, sondern mit Selbstachtung.