Manchmal frage ich mich, ob ich mit meinem Studium der Kulturwissenschaften wirklich etwas bewegen kann. Gerade lese ich wieder über die ungleiche Verteilung von Bildungschancen und es fühlt sich so theoretisch an, während das Problem doch so konkret ist. Ich würde später gerne in der außerschulischen Jugendbildung arbeiten, aber habe Sorge, dass ich nur an den Symptomen herumdoktere, ohne die eigentlichen Strukturen zu verändern.
Ich kenne dieses zögerliche Kribbeln gut. Kulturwissenschaften wirken oft wie Theorie gegen Praxis, besonders wenn es um Bildungsgerechtigkeit geht. Vielleicht ist genau dieser Widerspruch der Ort an dem du lernst Fragen zu stellen statt fertige Antworten zu liefern.
Du glaubst Strukturen lasse man sich mit einem guten Projekt umbauen doch das ist zu einfach. Strukturen sind vielschichtiger als eine dicke Idee. In der außerschulischen Jugendbildung arbeitest du an der Schnittstelle zwischen Organisation Geldfluss lokalen Netzwerken und Lernkulturen und da können Wendepunkte eher im Alltag entstehen als in großen Theorien. Es geht um die Frage wer kommt zu wem und warum und welche Erzählungen begleiten das Programm.
Vielleicht verstehst du es zu technisch und übersiehst dabei die menschlichen Geschichten dahinter. Manchmal klappt es nicht mit der Planung und das ist auch okay.
Was wenn der eigentliche Anspruch nicht darin besteht Probleme zu beheben sondern Narrative zu verschieben Intersektionalität könnte ein Stichwort sein das nichts erklärt aber neugierig macht?