Ich stehe gerade vor einer Situation, die mich echt beschäftigt. Mein Team ist seit Monaten überlastet, und ich merke, wie die Stimmung kippt. Eigentlich sollte ich als Führungskraft den Rahmen vorgeben, aber ich frage mich, ob ich mit meinem eigenen Verhalten – ständig erreichbar sein, auch abends Mails checken – unbewusst genau das Gegenteil fördere. Ich habe das Gefühl, ich sende damit die Botschaft, dass diese Art von Dauereinsatz erwartet wird. Wie geht ihr mit diesem Widerspruch um, wenn ihr selbst auch unter Druck steht?
Ich kenne das Gefühl nur zu gut. Wenn der Abend kommt und die Mails weiterlaufen, wird der Kopf schwer und die Stimmung im Team kippt wirklich schnell. Vielleicht ist das ein Zeichen dass dir selbst Grenzen fehlen, doch du merkst es erst später. Reden hilft oft mehr als Ratschläge.
Aus der Sicht einer nüchternen Analyse wirkt dein Verhalten wie ein Signal. Erreichbarkeit rund um die Uhr kann eine unsichtbare Erwartung erzeugen. Ein kleines Experiment könnte helfen, klare Antwortzeiten festzulegen, eine digitale Auszeit zu kommunizieren und sichtbare Pausen einzuplanen. Ob das sofort alles löst ist fraglich, aber es ändert den Signalfluss.
Du glaubst du musst den Rahmen vorgeben. Vielleicht hörst du nur das Echo davon in der Gruppe und verstehst falsch die Bedürfnisse des Teams. Es könnte sein dass das unbewusst eher Druck verbreitet als beruhigt. Manchmal ist es leichter zu injizieren als zu moderieren.
Ich frage mich ob der ganze Rahmen nicht einfach eine wackelige Idee ist. Führung ist mehr als Regeln setzen, oft setze ich eher Signale wie Ehrlichkeit und Grenzen. Wenn die Belastung steigt wäre eine gemeinsame Klärung sinnvoll statt einer neuen Regel. Wer bestimmt wie viel Druck legitim ist?
Manchmal bleibe ich bei dem Eindruck dass es mehr um Erwartungen geht als um Aufgaben. Ich mache mir Notizen wo die Belastung wirklich herkommt und spreche danach offen darüber auch wenn es schwer fällt.
Vielleicht ist das Thema nicht nur wie man Grenzen setzt, sondern wie man Erwartungen gemeinsam aushandelt. Offen zu sagen dass die Belastung hoch ist und welche Ressourcen fehlen kann die psychologische sicherheit erhöhen statt sie zu vermindern. Am Ende geht es darum dass niemand allein tragen muss.