Ich stecke gerade in einer Phase fest, wo ich das Gefühl habe, meine Bilder wirken alle zu sauber und durchdacht. Früher hatte ich mehr von diesem rohen, instinktiven Ausdruck, der einfach aus dem Moment kam. Jetzt, wo ich mich mehr mit Technik beschäftige, fehlt mir diese Lebendigkeit. Ich frage mich, ob jemand von euch auch schon mal diesen Punkt erreicht hat, an dem das Handwerk den eigentlichen Impuls zu ersticken droht.
Ja, mir geht es oft so. Die Bilder wirken sauber und durchdacht, als hätte ich sie gezähmt. Früher rannte der Moment einfach los und das Lebendige sprang ins Bild. Jetzt ist so viel Technik im Spiel, dass der Impuls zu ersticken scheint. Wie gehst du damit um?
Die Technik schafft einen Zwischenraum zwischen Entscheidung und Zufall und das ist kein Fehler, nur eine Verschiebung der Autorität im Prozess. Um die Lebendigkeit zurückzubekommen könntest du das Handwerk als Werkzeug sehen statt als Endziel und dem Moment mehr Raum geben.
Vielleicht verstehst du die Sache so wie du es beschreibst doch ich frage mich ob du nicht eher willst dass das Handwerk sich als stille Begleitung anfühlt statt als Boss.
Mich stört der Gegenwind der zu sauber klingenden Bilder. Vielleicht ist dieser Eindruck eine Deutung deiner aktuellen Erwartungen und kein echter Mangel im Werk. Wer sagt was wirklich lebendig macht?
Eine andere Brille die du aufsetzen könntest ist die Idee des Zwischenraums statt einer klaren Linie. Die Lebendigkeit entsteht nicht allein aus rohem Zufall sondern aus dem Balanceakt zwischen Planung und Zufall der dann zu einer neuen Form führt. Vielleicht braucht es dafür nur ein neues Schlagwort wie Flow oder Schwebephase.
Ich bleibe dran an diesem Thema indem ich das Vorgehen ändere statt das fertige Bild zu loben. Kleine Experimente mit Material und Timing helfen dem Impuls nicht zu ersticken.