Ich sitze gerade hier und höre den Soundtrack zu einem alten Point-and-Click-Adventure, das ich als Kind geliebt habe. Die Musik löst sofort diese ganz spezielle, fast wehmütige Stimmung in mir aus, obwohl ich die Melodie seit Jahren nicht mehr gehört habe. Ich frage mich, ob es anderen auch so geht, dass ein bestimmter Filmsoundtrack oder ein Videospiel-Score einfach einen ganzen emotionalen Zustand in einem konservieren kann. Manchmal höre ich nur ein paar Takte und bin sofort wieder in diesem Gefühl gefangen, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Ja solche Momente kenne ich auch. Wenn der Soundtrack eines alten Point und Click Spiels anschlägt fühlt es sich an als würde eine Tür aufgehen und man ist plötzlich wieder in dem Zimmer der Kindheit. Die Musik trägt eine stille Sehnsucht mit sich und macht das Hier fast unwirklich nah.
Aus der Sicht der Neurowissenschaften wirken Soundtracks als cues die emotionale Muster aktivieren die wir mit bestimmten Situationen verknüpft haben. Ein alter Score hängt sich an Orte Figuren und Erlebnisse und beim Wiederhören holt das Gehirn diese Verknüpfungen hervor. Dann geraten wir wieder in dieselbe Gefühlslage hinein und die Musik wirkt wie ein Trigger.
Vielleicht liegt es auch daran dass die Erinnerung das Bildmaterial der Spielszene mit der Musik vermischt hat. Der Takt ahmt den Spannungsbogen nach und man entwickelt beim Hören eine Geschichte dazu die gar nicht mehr bedient werden will. Es fühlt sich an als stünde die Zeit still, doch es ist nur unsere Fantasie die wieder Bilder ablegt.
Glaubst du wirklich dass Musik einen emotionalen Zustand konserviert oder ist das eher eine starke Erwartungshaltung an Klänge die uns diese Gefühle schenken?
Ich halte es teils für eine Portion Nostalgie. Marketing spielt sicher eine Rolle. Wir schreiben der Musik eine Stabilität zu und ordnen ihr eine ganze Gefühlslage zu obwohl es oft nur Erinnerungen an bestimmte Bilder sind. Trotzdem ist es spannend wie viel Raum diese Reaktion einnimmt.
Vielleicht geht es weniger um ein eingefrorenes Gefühl als um eine Sammlung von kleinen Zeitschnipseln die sich in einer bestimmten Reihenfolge abspielen. Jedes kurze Motiv öffnet einen Türrahmen zu einer breiteren Kindheit und fordert uns auf zu entscheiden wie viel davon wir behalten wollen.