Ich sitze seit Wochen an diesem einen Gemälde fest. Eigentlich sollte es ein Porträt werden, aber irgendwie hat es sich in eine Art Landschaft verwandelt, die aus Gesichtszügen besteht. Jetzt starre ich es an und frage mich, ob ich es einfach so lassen soll, wie es ist. Es fühlt sich irgendwie richtig an, aber auch ein bisschen wie ein Unfall. Hat jemand von euch schon mal erlebt, dass ein Projekt plötzlich eine ganz eigene Richtung eingeschlagen hat, die besser war als der ursprüngliche Plan? Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem vertrauen soll oder ob das nur Faulheit ist.
Das kenne ich zu gut. Ein Gemälde will plötzlich anders atmen und du fühlst diesen Funken der Richtungsgewissheit der einfach kommt und geht. Wenn du magst bleib dran und hör auf dieses neue Wesen des Bildes auch wenn es dich verunsichert.
Vielleicht zeigt das Porträt in der Landschaft etwas über deine Beobachtungsgewohnheiten. Form und Figur entwickeln eine Logik jenseits deines ursprünglichen Plans. Das Übermaß an Details zu einem Gesicht kann eine Stimmung erschaffen die mehr sagt als Fluchtlinien.
Ich dachte du wolltest ein Porträt und prompt entsteht eine Landschaft aus Gesichtern. Das klingt wie ein verrutschtes Bildhandwerk. Vielleicht hast du die Augen zu nah am Horizont gesetzt oder die Nase als Hügel interpretiert.
Was wenn die eigentliche Aufgabe nicht ist eine Entscheidung zu treffen sondern dem Bild Zeit zu geben sich zu entfalten?
Ich bleibe skeptisch Vielleicht willst du nur die Bequemlichkeit einer fertigen Lösung behalten und übersehe dass der Prozess mehr lehrt als das fertige Gemälde.
Vielleicht ist das Gemälde eine Karte deiner inneren Landschaft und der Blick darauf ist schon Kunst genug Ohne alles zu erklären kann man sagen dass der Zufall hier eine Struktur findet.