Okay, also ich stehe gerade echt vor einem kleinen Rätsel. Ich habe mir vor ein paar Monaten diese richtig schöne, hochwertige Wolljacke gegönnt, die ich eigentlich nur bei besonderen Anlässen tragen wollte. Jetzt finde ich mich aber dabei, sie fast jeden Tag anzuziehen, einfach weil sie sich so verdammt gut anfühlt und zu allem irgendwie passt. Irgendwie fühlt sich das falsch an, als würde ich ihren "besonderen" Status verspielen. Andererseits denke ich mir, warum sollte ich etwas, das ich so sehr mag, im Schrank hängen lassen? Geht das noch jemandem so mit seinen Lieblingsstücken?
Ja, das kenne ich. Dieses Lieblingsstück fühlt sich an wie ein verlässlicher Freund der jeden Tag da ist und plötzlich passt es zu allem. Es kribbelt, und man fragt sich ob man dem Ding zu viel Nähe gönnt oder sich selbst zu wenig Besonderheit zugesteht.
Aus psychologischer Sicht verändern Rituale den Wert eines Objekts. Wenn du etwas so oft trägst wird es weniger exklusiv und mehr Teil deiner Identität. Vielleicht hilft eine neue Rahmenbedingung wie weitere Accessoires oder eine echte Vergabe eines Anlasses pro Monat.
Du hast das Thema wohl anders verstanden. Die Jacke will getragen werden im Alltag statt in einer Erzählung von besonderen Anlässen und plötzlich fragst du dich ob der Mythos von Besonderem erstickt. Ist das überhaupt sinnvoll?
Ich bleibe skeptisch. Wenn du so viel Freude daran hast warum würdest du sie nicht tragen statt zu horten. Vielleicht ist der Status doch nur eine Erzählung die aus Marketing stammt.
Vielleicht geht es nicht um Regeln was gilt und was nicht sondern darum wie sich dein Körper in der Wolle wohlfühlt und welche Geschichten du damit verknüpfst. Ein neuer Rahmen wäre die Idee das Lieblingsstück als ständigen Begleiter zu sehen der Erinnerungen trägt statt als Auszeichnung.