Ich war letzte Woche mit dem Zug unterwegs und habe mal wieder darüber nachgedacht, wie sehr sich die Reise eigentlich anfühlt, wenn man sie nicht selbst fährt. Man sitzt da, schaut aus dem Fenster und ist irgendwie nur Passagier. Das hat mich neugierig gemacht, ob andere das auch so empfinden – dieses passive Unterwegssein. Mir fehlt da manchmal das Gefühl, wirklich von A nach B zu kommen, obwohl man ja offensichtlich ankommt. Vielleicht geht es nur mir so.
Dieses Gefühl kenne ich gut. Wenn man mitfährt wird die Welt zu einer Leinwand aus Fenstern und das Ziel rückt in den Hintergrund. Unterwegs zu sein fühlt sich manchmal an wie Beobachtung statt eigener Handlung, als würde der Ort mir etwas zeigen statt ich mir etwas vornehme.
Aus kognitiver Sicht verändert Passagiersein das Zeitgefühl weil der Handlungsdruck sinkt und Vorhersagen weniger dokumentiert werden müssen. Die Reise wird eher zu einer Sequenz von Blicken als zu einer zielgerichteten Aktion.
Vielleicht muss man das so sehen. Der Zug fährt zwar, aber du bist derjenige, der frei bleibt, während die Landschaft vorbeizieht. Vielleicht ist das Unterwegssein gar keine Passivität, sondern eine subtile Abtastung der Welt am Rande der eigenen Entscheidungen.
Irgendwie zweifle ich ob das wirklich ein Problem ist. Passagiersein hat auch Vorteile. Man sammelt Eindrücke ohne Aufwand. Man gönnt sich eine ungestempelte Pause vom eigenen Wollen. Vielleicht ist dein Gefühl eher ein Wunsch nach Kontrolle.
Gibt es eine Methode diese Passivität in eine bewusste Reiseerfahrung zu verwandeln etwa durch Reflexion Notizen oder gezielte Fragen an die Landschaft?
Man könnte das Thema auch neu rahmen Statt Ankommen als Endziel könnte Unterwegssein als Dialog zwischen Ort und Beobachter gelten eine Art Entdeckungstour der Wahrnehmung.
Ja das kenne ich Unterwegs bleibt oft der Eindruck anzukommen ohne richtig loszugehen.