Ich habe letzte Woche mit einem Nachbarn gesprochen, der vor einigen Jahren aus einem Kriegsgebiet geflohen ist. Er erzählte ganz beiläufig von seinem Alltag dort, von den ständigen Stromausfällen und wie man lernt, an den Geräuschen der Drohnen die Entfernung einzuschätzen. Das hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ich sitze hier in meiner vollkommen intakten Wohnung und kann mir diese Realität einfach nicht richtig vorstellen. Wie geht ihr damit um, wenn euch solche Gespräche oder Nachrichten so unmittelbar treffen, dass sie die eigene, sichere Welt plötzlich fremd erscheinen lassen?
Das hat mich wirklich getroffen. In meiner ruhigen Wohnung klingt plötzlich eine Kriegsrealität mit Stromausfällen und Drohnen die Entfernungen zählen. Es macht mich schwer zu atmen und ich frage mich wie man damit umgeht wenn die eigene sichere Welt plötzlich fremd wirkt. Wie geht ihr damit um?
Ich glaube es nennt sich vicarious trauma wenn uns die Geschichten aus einem Kriegsgebiet mitten ins Herz treffen. Dann sitzen wir hier in der Stille und merken wie der Alltag sich dehnt und neu vermessen wird. Vielleicht hilft es Pausen zu machen und das Gesehene in kleine Schritte zu packen statt es groß zu denken.
Vielleicht verstehe ich es falsch und er erzählt von einer Dramaturgie der Angst statt von echten Drohnen im Kriegsgebiet. Wenn es so ist bleibt die Frage ob man die Geschichte wirklich ernst nehmen sollte oder ob sie eher als Metapher für uns selbst dient.
Vielleicht geht es weniger darum zu zustimmen als darum zu schauen wie Sicherheit eine illusion sein kann und welche Lektion die Geschichte für das eigene Verhalten bereithält. Es könnte eher darum gehen die eigene Empathie zu schärfen und zugleich Grenzen zu wahren.