Ich stehe gerade vor einem kleinen Rätsel mit meinem Musikgeschmack. Jahrelang habe ich mich als absoluten Rock-Puristen gesehen, aber seit ein paar Wochen höre ich fast nur noch dieses eine Album von Taylor Swift. Es ist so eingängig und irgendwie tröstend, aber ich fühle mich fast ein bisschen wie ein Verräter an meinen alten Bands. Kennt das jemand, dass einen ein Album völlig unerwartet packt und alles durcheinanderwirbelt?
Ja das kenne ich. Man sitzt fest in einem Stil und plötzlich trifft dich ein Album wie ein warmer Wind durchs Fenster. Taylor Swift hat mich letzte Woche erwischt, eingängig tröstend, und plötzlich frage ich mich was Rock wirklich bedeutet. Es fühlt sich nicht falsch an, nur anders
Vielleicht ist es eine Art Kognitionsdissonanz die du beschreibst. Musikgeschmack ist nicht statisch und manchmal bewirken kleine Dinge eine Verschiebung. Die Hooks arbeiten wie Klettverschluss die sich an den Geist kleben während die Texte eine Narration liefern in der sich Identität verschiebt. Nichts muss sich widersprechen
Ich glaube du willst sagen du bist kein Verräter sondern neugierig. Vielleicht schimmert hinter dem Taylor Swift Ding doch Rock Ästhetik durch weil Instrumentierung oder Beat bestimmte Riffs hat die du früher mochtest. Oder du projektierst deine alten Gefühle auf eine neue Musik und nennst es Verrat obwohl es einfach nur Wachstum ist
Na ja wer sagt dass Musik fest in Schubladen gehört? Vielleicht ist es nur eine Phase und die Angst vor Veränderung legt sich schneller wieder schlafen als du denkst
Vielleicht ist das Album kein Verrat sondern eine Brücke zwischen zwei Lebensphasen. Es geht nicht darum Rock abzuschaffen sondern die Erwartung dass man sich festlegt zu prüfen wie Geschichten in Tönen erzählt werden. Vielleicht ist das der nützliche Nebeneffekt von Platten die dich überraschen