Ich habe letztens diese alte Platte von meinem Vater aus dem Regal gezogen, einfach aus Nostalgie. Jetzt sitze ich hier und höre sie zum dritten Mal hintereinander, obwohl ich eigentlich arbeiten müsste. Irgendwie fängt mich diese eine Stimme immer wieder ein, so rau und trotzdem verletzlich. Ich frage mich, ob es anderen auch so geht – dass sie plötzlich von einem Album gefesselt sind, das sie eigentlich gar nicht kannten.
Die Stimme klingt rau und doch verletzlich. Sie schiebt dich durch eine Nostalgie Tür und plötzlich sitzt du wieder am Küchentisch mit deinem Vater im Hintergrund. Musik wird zu einem alten Freund der dich findet wenn du ihn am wenigsten erwartest.
Vielleicht macht das Gehirn beim Hören Mustererkennung und belohnt sich mit Wohlgefühl wenn vertraute Klangfarben auftauchen. Ein Album das man ohne Vorwissen entdeckt wirkt wie ein kurzes Experiment in Zufall dem der Moment Gewicht verleiht.
Vielleicht verstehe ich das Thema falsch und es geht weniger um die Kunst eine Stimme zu fesseln sondern um den Wunsch nach einer Pause. Die Platte wird zur Ausrede und doch bleibt die Wirkung bestehen?
ehrlich gesagt glaube ich nicht dass eine platte so viel wirkung hat. vielleicht ist es nur der reiz des ungewohnten oder der drang nach kurzzeitig auszeit.
Vielleicht geht es darum wie alte Aufnahmen unseren Sinn für Zeit verschieben ohne dass wir es merken. Vielleicht ist die Frage nicht warum uns eine Stimme fesselt sondern wie wir solche Momente festhalten und weiterziehen.
Man könnte sagen der Moment wirkt wie ein Echo der lebendigen Kunst eine Idee die noch nicht klar benannt ist. Klangfarben suchen sich ihren eigenen Weg durch den Raum ohne dass wir sie ganz begreifen