Ich sitze hier und starre auf meinen Bildschirm, nachdem ich wieder einmal eine hitzige Debatte in den Kommentaren verfolgt habe. Jeder wirft mit Begriffen um sich, die für ihn absolut klar und wahr sind. Das hat mich daran erinnert, wie ich letzte Woche mit einem Freund völlig zerstritten war, weil wir über ein einfaches Alltagsproblem völlig unterschiedliche Grundannahmen hatten. Woher kommt eigentlich diese Gewissheit, dass die eigene Sichtweise die richtige ist? Mir geht es nicht um Fakten, sondern um diese tiefe, fast instinktive Überzeugung, die unsere Realität formt. Ich frage mich, ob andere auch manchmal das Gefühl haben, in komplett verschiedenen Welten zu leben, obwohl man vor demselben Ding steht.
Ja diese stille Gewissheit reißt mich manchmal aus dem Rhythmus, weil sie so fest klingt auch wenn ich sie nicht schlüssig beweisen kann.
Vielleicht entsteht Gewissheit aus Mustern die unser Gehirn bevorzugt und mit ihnen bauen wir Sinn selbst wenn Daten fehlen.
Ich glaube der andere hat nicht recht weil die Fakten fehlen sondern weil der Rahmen den er benutzt schon vorverpackt ist.
Manchmal frage ich mich ob dieser Grat zwischen klarer Meinung und Wunschdenken nicht viel zu schmal ist.
Vielleicht geht es eher darum Welten zu verstehen statt Debatten zu gewinnen und neue Rahmen zu suchen statt zuzustimmen.
Wie oft fühlt es sich so an als würden wir in völlig andere Welten leben obwohl wir denselben Gegenstand sehen?