Ich habe in letzter Zeit viel mit Aquarell und Tinte experimentiert und stehe vor einer kleinen, aber für mich wichtigen Frage. Manchmal, wenn die Farben auf dem Papier trocknen, entstehen diese zufälligen, fast geisterhaften Übergänge und verlaufenen Kanten, die ich wirklich liebe. Ich frage mich, ob ich diese Effekte mehr kontrollieren kann, ohne ihren lebendigen Charakter zu verlieren. Es fühlt sich an, als ob ich gerade an der Schwelle zu einer wirklich persönlichen Malweise stehe, aber noch nicht ganz weiß, wie ich sie für mich nutzen kann.
Dieses Gefühl von geisterhaften Übergängen im Aquarell hat etwas Lebendiges als wären die Formen noch am Nachklingen. Vielleicht ist der Trick ihnen zuerst Raum zu geben und erst später mit vorsichtigen Bewegungen nachzuspielen damit der lebendige Charakter erhalten bleibt.
Aus analytischer Sicht hängt die Grenze zwischen Zufall und Kontrolle von Diffusion Trocknungsgradienten und Papierstruktur ab. Wenn du die Ränder gezielter formen willst spiele mit dem Wassergehalt der Aquarellfarben der Farbintensität und der Beschaffenheit des Papiers damit die Texturen bestehen.
Ich frage mich ob man den Zufall wirklich zähmen kann ohne die Aquarell Malweise zu ersticken?
Vielleicht geht es weniger um Kontrolle als um eine neue Sprache. Aquarell als Gesprächspartner der dir Vorschläge macht aber nicht befolgt. Dann würdest du die Kanten als Stimme deiner eigenen Handschrift hören.
Manchmal genügt es auch die Form halb stehen zu lassen und eine Figur anzuzweifeln statt alles sauber zu lösen. Ein halb gelebter Rand ein aufgerissener Bogen so bleibt der Stil im Aquarell menschlich.
Was wäre wenn der Reiz darin liegt dass jede Fläche länger nachtrocknet bevor man weiterarbeitet im Aquarell?