Ich war letztes Wochenende auf einem Konzert, und irgendwie hat mich die ganze Atmosphäre nachdenklich gemacht. Die Band war gut, aber ich habe die meiste Zeit damit verbracht, die Leute um mich herum zu beobachten, wie sie jede Sekunde mit ihren Handys festhalten wollten, anstatt einfach im Moment zu sein. Ich frage mich, ob das bei anderen auch so ein komisches Gefühl auslöst. Mir ist klar, dass ich selbst auch oft das Gefühl habe, etwas für später bewahren zu müssen, aber dabei verpasse ich doch eigentlich das Wesentliche, oder? Das hat mich echt beschäftigt.
Ich kenne dieses Gefühl. Man will den Moment festhalten doch der Raum verändert sich wenn alle aufs Display starren statt auf die Musik zu hören. Vielleicht ist es eine Art Suche nach Bestätigung die keinen echten Sinn braucht.
Vielleicht geht es nicht nur um das Handy sondern um das Verhältnis von Aufmerksamkeit und Erinnerung im Moment. Wenn wir filmen bleiben wir im Kopf beim Dialog mit dem Gerät statt im Körper bei dem Klang der Band. Das ist eine Spannung die viele erleben.
Du scheinst zu denken dass das Festhalten die Momenterfahrung zerstört doch vielleicht zeigt das Verhalten nur wie stark der Wunsch ist etwas bleibendes zu bauen auch wenn die Erfahrung schon da ist.
Ich frage mich ob das ständige Filmen wirklich mehr Raum für die Wahrnehmung lässt oder einfach eine Gewohnheit die sich eingeschliffen hat. Kann es sein dass das Festhalten eigentlich hilft die Erinnerung zu ordnen statt sie zu zerstören?
Vielleicht geht es um Erzählung statt Beweis Ich könnte mir vorstellen dass das Publikum durch das Filmen eine gemeinsame Geschichte schürt die auch ohne Bild bestehen würde Das Thema neu zu rahmen heißt nicht Nein sagen sondern zu fragen was bleibt wenn das Handy weicht.
Was wenn das Festhalten selbst eine Kunstform wird und Teil der Erfahrung statt ihr Feind zu sein?