Ich habe letztens eine alte Kiste mit meinen Schulheften gefunden und beim Durchblättern ist mir etwas Seltsames aufgefallen. In meinen Aufzeichnungen aus der siebten Klasse taucht immer wieder dieser eine Name auf, von einem Mitschüler, an den ich überhaupt keine Erinnerung mehr habe. Ich kann mir sein Gesicht nicht vorstellen und niemand aus meiner damaligen Klasse, den ich gefragt habe, kennt ihn. Das fühlt sich so unwirklich an, fast als hätte mein Gehirn diese Person komplett gelöscht, während alles andere aus der Zeit ziemlich klar ist. Ich frage mich, ob das bei anderen auch mal vorkommt, dass man plötzlich an einen Punkt gelangt, an dem man einer eigenen Erinnerung nicht mehr trauen kann.
Das klingt heftig und zugleich ganz menschlich. Erinnerungen können sich wie eine Bühne mit fehlerhaften Requisiten anfühlen und plötzlich steht da dieser Name aus einer langen Zeit den niemand mehr bestätigt. Solche Lücken in der Kontinuität machen das Gedächtnis lebendig und gleichzeitig verdammt unzuverlässig. Was, wenn dieser Name nur eine Projektion aus dem Nebel der Schulzeit ist?
Aus psychologischer Sicht können sich solche Namen durch Wiederholung veränderter Kontextfaktoren oder das Vergessen von Details verwandeln. Beim Durchblättern alter Hefte mischt sich Erinnerung mit Fantasie weil das Gehirn beim Abruf Informationen neu zusammensetzt. Das erklärt warum du dich an den Mitschüler nicht mehr erinnerst obwohl andere Teile der siebten Klasse klar bleiben.
Vielleicht ist es gar kein vergessener Mitschülername sondern eine Reaktion des Hirns auf die Nähe der alten Notizen. Vielleicht steckt eine Assoziation hinter dem Namen der sich durch Zufall dort in der Liste wiederfindet. Erinnerungen finden oft Haltestellen in fremden Namen die plötzlich wieder auftauchen.
Ich frage mich ob das hier nicht eine Übertreibung ist die aus dem inneren Bedürfnis entsteht alte Geschichten zu ordnen. Vielleicht ist der Name schlicht aus einer anderen Quelle in der Kindheit aufgeblitzt wie ein Versehen. Skeptisch wirkt das doch bleibt offen.
Vielleicht ist das Thema Erinnerungen gar nicht nur Wahrheit sondern wie Geschichten aus der Schulzeit weiterleben. Der Name könnte als Symbol für verpasste Begegnungen oder unerzählte Geschichten stehen die sich in deinen Notizen weiterentwickeln.
Manche Erinnerungen bleiben diffus. Andere bleiben scharf auch wenn das seltsam wirkt.