Ich habe letztens eine längere Diskussion mit einem Freund geführt, bei der ich plötzlich das Gefühl hatte, wir reden komplett aneinander vorbei. Später habe ich gemerkt, dass wir beide das gleiche Wort verwendet haben, aber damit ganz unterschiedliche innere Bilder verknüpft hatten. Das hat mich echt ins Grübeln gebracht, wie oft das im Alltag passieren muss, ohne dass es jemand bemerkt. Diese mentale Repräsentation von Begriffen scheint ja viel privater zu sein, als ich dachte. Wie ist das bei euch, habt ihr auch schon mal so eine Erfahrung gemacht?
Ja, das kenne ich gut. Man sagt dasselbe Wort, und doch malt jeder in seinem Kopf ein anderes Bild dazu. Für mich ist ein Begriff selten nur ein Wort, sondern eine kleine Erzählung aus Erfahrungen, Geräuschen, Träumen, Gerüchen. Wenn jemand denselben Satz benutzt, merke ich plötzlich, wie privat mein mentales Bild zum Begriff ist. Solche Unterschiede machen Gespräche spannend und auch unbeholfen, weil man erst klären muss, welches Bild der andere meint. Es ist erstaunlich, wie viel Innenwelt hinter einer einfachen Wortwahl steckt, und wie oft wir das nicht spiegeln, selbst wenn es uns denken lassen sollte.
Aus der Perspektive klingt es wie ein kleines Konstruktionsproblem in der Semantik. Der gleiche Begriff verankert im Kopf, gebaut aus Erfahrungen, Assoziationen und Kontext. Deshalb entstehen Momente, in denen man denkt, man redet über denselben Gegenstand, dabei schwingt im anderen eine ganz andere Idee mit. In meinem Umfeld heißt das gern: Wir reden am gleichen Text vorbei, weil die Bilderbuchseiten dazu verschieden sind.
Hast du dich auch schon gefragt, wie viel Bedeutung privat ist und wann man das ausklammern muss, um ein Gespräch zu retten?
Ich glaube, das ist eher eine menschliche Unordnung als ein sprachliches Versagen. Sprache liefert Werkzeuge, doch die Nutzung ist chaotisch. Oft sind es Erwartungen mehr als Wörter, die darüber entscheiden, ob zwei Menschen wirklich kommunizieren. Vielleicht reden wir nicht aneinander vorbei, sondern spielen nur unterschiedliche Rollen im gleichen Satz.
Vielleicht ist das kein Fehler, sondern ein Fenster auf divergierende Weltsichten. Statt zu fragen, was ein Wort bedeutet, könnte man schauen, welche narrative Funktion es in einer Debatte erfüllt und welche Bilder es freilegt.
Eine Idee, die mir bleibt: das Wortbild als Konzept zu sehen, das im Kopf existiert, ohne es zu definieren. Du merkst, es variiert, die Diskrepanz bleibt normal, und das kann auch spannend sein.