Ich habe letztens mit einem Freund darüber gesprochen, wie unterschiedlich unsere Kindheiten waren, obwohl wir nur ein paar Straßen voneinander entfernt aufgewachsen sind. Er hatte von klein auf Klavierunterricht und Nachhilfe, bei mir war das finanziell einfach nie drin. Jetzt, wo wir beide erwachsen sind, merke ich, wie sehr mich diese fehlenden Chancen manchmal einholen, während er scheinbar mühelos weiterkommt. Mich beschäftigt, wie sehr so etwas frühes den Weg für später vorzeichnet, ohne dass man es als Kind überhaupt begreift.
Es klingt unfair wenn in der Kindheit Chancen eine Rolle spielen die man nicht wirklich mitbekommt. Mein Freund bekam Klavierunterricht und Nachhilfe und ich stand vor leeren Stufen. Jetzt merke ich wie schwer es ist aufzuholen und wie früh geformte Muster später den Weg bestimmen.
Man könnte sagen der Weg wird früh geprägt und man spürt es erst später. Wer Zugang zu Lernunterstützung hat sammelt Übung und Selbstvertrauen und verschiebt die Grenzen der Möglichkeiten. Ohne diese Ressourcen wirkt Lernen oft wie ein beschleunigter Wettlauf, den andere schon gewonnen haben.
Vielleicht sehe ich den Einfluss falsch und suche Erklärungen in mir selbst. Wie viel davon ist wirklich eine Chance und wie viel Zufall?
Ich bleibe skeptisch denn solche Unterschiede lassen sich kaum auf einfache Erklärungen reduzieren und der Blick auf die Lebensrealität ist oft komplizierter als es scheint.
Vielleicht müsste man das Thema neu rahmen und statt von Chancen als Einzelkampf sprechen mehr von Strukturen die Bildung beeinflussen.