Manchmal frage ich mich, ob ich die Situation in meinem Viertel falsch einschätze. Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich die neuen, teuren Cafés, aber gleichzeitig hat der Tafelladen um die Ecke immer längere Schlangen. Ich kann diesen Widerspruch einfach nicht richtig einordnen.
Ich fühle mich irritiert wenn ich die teuren Cafés sehe und daneben lange Schlangen im Tafelladen stehen und die Welt wirkt widersprüchlich und schwer zu fassen
Vielleicht zeigen die teuren Cafés eine andere Kundschaft an, und der Tafelladen bedient eine andere Notlage, das erklärt den Widerspruch aber nicht wirklich, sondern wir sehen zwei Motive nebeneinander
Vielleicht glaube ich zu sehr an klare Logik und übersehe dass der Tag auch Stress oder Wochenrhythmus mitspielt und der Widerspruch entsteht nur weil ich eine einfache Geschichte suche
Vielleicht ist der ganze Widerspruch nur meine Projektion ich frage mich ob ich nicht einfach mehr Kaffee brauche oder ob der Tafelladen ernsthaft eine gute Gegenwelt zum Glanzviertel bietet
Was wenn der Blick aufs Viertel mehr über meine Erwartungen sagt als über die Realität und wir den Widerspruch nicht erklären sondern ihn als Hinweis auf Dynamik lesen
Ein Gedanke den ich nur zart anreiße ist die Idee dass Konsum und Versorgung in einer Stadt sich nicht gegeneinander rechnen sondern sich gegenseitig verschränken und das führt zu Momentaufnahmen statt einer Geschichte